Backwaren aus dem Discounter

Wirtschaft
Backwaren aus dem Discounter – Was können sie wirklich?

Egal, ob am Backshop gleich um die Ecke, auf Knopfdruck beim nächsten Discounter oder an der Tankstelle – mittlerweile findet man angeblich frisch gebackenes Brot zum Schleuderpreis. Doch woher kommt es wirklich und was steckt dahinter? Dem Konsumenten scheint es egal zu sein, doch das könnte uns bald teuer zu stehen kommen.

Mal ganz ehrlich wer glaubt schon, dass hinter jedem Backautomaten eine wirkliche Backstube steckt, in der ein Bäcker den Teig anrührt, knetet und in den Ofen schiebt? Wahrscheinlich niemand, doch für ganz so dumm lassen wir uns dann doch nicht verkaufen, oder?

Wo das Brot aus dem Automaten hergestellt wird, wissen nur wenige. Die Hauptsache ist aber, dass das Brot schön billig bleibt. Ob es dabei wirklich immer frisch gebacken ist, ist doch nebensächlich, oder etwa doch nicht?

Der Brötchen-Streit

Seit mittlerweile mehr als acht Jahren streitet der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks gegen Aldi Süd vor dem Landgericht in Duisburg. Bei dem Streit geht es um die Frage, was „backen“ grundsätzlich bedeutet. Aldi Süd bewirbt seine Automaten als „Backofen“, die das Brot frisch backen. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks ist da allerdings anderer Meinung. Die Kunden werden getäuscht. In den Automaten würden die vorgebackenen tiefgefrorene Brötchen nur aufgewärmt. Ein echter Backvorgang würde beim Discounter nicht stattfinden.

Vor ein paar Jahren sollte der renommierte Brotforscher Professor Jürgen-Michael Brümmer als Gutachter endlich Aufschluss darüber geben, ob man das Vorgehen von Aldi-Süd als „Backen“ bezeichnen kann. Das Ergebnis des Experten war sehr uneindeutig: Zum Teil würde ein Backvorgang stattfinden, teilweise aber auch nicht. Eine Entscheidung wurde vertagt.

Allerdings merkt der Experte an, dass die Konsumenten ein anderes Bild vom Backvorgang haben könnten. Das bedeutet in anderen Worten, dass der durchschnittliche Bürger es nicht als Backen bezeichnen, einen tiefgefrorenen Teig in einen Ofen zu schieben. Allerdings sollte es auf diese Sichtweise genau ankommen. Immerhin werden den Kunden die gefrorenen Teiglinge verkauft, die lediglich in den Ofen geschoben werden. Das Zeit-Magazin liefert hier einen sehr guten Vergleich: „Wer den Ort an dem Teig erhitzt wird, eine Backstube nennt, sollte auch das Wohnzimmer, in dem ein Schrank Form gewinnt, Schreinerei nennen“.

Doch Aldi-Süd hat auf Anfrage, wie man es rechtfertigen kann, die Brötchen aus dem Automaten als frisch gebacken zu bezeichnen, antwortet Aldi-Süd wie folgt: „Unsere Lieferanten bezogenen Backwaren werden für unsere Kunden frisch fertig gebacken. Der Discounter hat, zumindest so wie es aussieht, eine neue, recht außergewöhnliche Definition von Frische entdeckt.

Brötchen von Fließband

Beim Gerichtstreit geht es tatsächlich um weit mehr als die Frage, ob der Automat auch wirklich backt. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks stellt klar: Billigbrot vom Fließband hat nichts mit der Handwerkskunst des Backens zu tun. Wer bei diesen Broten an ein natürliches Nahrungsmittel denkt, lässt sich täuschen.

Die Backwaren aus Discountern werden von Fabriken in ganz Deutschland, Österreich, Belgien und Frankreich produziert und gefroren zu den einzelnen Filialen geliefert. Die entscheidenden Handgriffe und das Wissen um die richtige Verarbeitung werden in der Industrie von künstlichen Enzymen ersetzt. So ist es den Fabriken möglich, den Teig durch Maschinen herstellen zu lassen und der Teig braucht deutlich weniger Gehzeit.

Die durch Gentechnik hergestellten Eiweiße, sorgen bei den Industrie-Brötchen für eine knusprige Konsistenz. Dadurch überstehen die Brötchen das Einfrieren und sind darüber hinaus länger haltbar. Da die Enzyme als technische Hilfsstoffe verwendet werden, müssen sie auch nicht auf der Zutatenliste angegeben werden. Sie wirken ausschließlich während des Produktionsprozesse und sollen nicht im fertigen Produkt landen. So zumindest lautet die Begründung, ob das wirklich so ist, weiß wohl niemand.

Unterstützt die Handwerksbäcker

Wahrscheinlich wissen es viele Konsumenten nicht besser oder manche mögen die Bequemlichkeit und die günstigen Preise des Discounters lieber. Doch wer will schon sein Brot vom Fließband? Überall dieselben Laugenstangen, dieselben Croissants, das immer langweilige Brot. Alles langweiliger, geschmacksloser Einheitsbrei anstatt regionaler Vielfalt.

Es wäre jetzt wirklich dumm, diese Frage mit einem klaren „Nein“ zu beantworten. Wenn dieser Trend weitergeht, wird uns nichts anderes übrig bleiben: In den 50er Jahren gab es rund 50.000 Bäckereien in Deutschland. Im Jahr 2014 gab es nur noch 12.611 Betriebe. Rein statistisch verschwindet pro Tag mindestens eine Backstube.

Die Discountern und Billiganbieter zerstören mit dem niedrigen Preisen ein Handwerk mit langer Tradition. Jeder Kunde, der seine Brötchen hier kauft, unterstützt diesen Vorgang, ob er will oder nicht.

Jeder, der die wahre Handwerkskunst schätzt und auch in naher Zukunft frisch gebackenen Brot essen möchte, sollte seine Backwaren ausschließlich bei wahren Handwerksbäcker kaufen.

Ein Vergleich mit der Vergangenheit?

Mittlerweile haben die Discounter gelernt, die Backwelten in den Geschäften zu positionieren, dass sich der Duft von frisch gebackenen Brötchen bis zum Eingang wabert. Wer nun hungrig ist, bekommt richtig Appetit und macht den Einkauf schön voll.

Doch wer erinnert sich noch an die guten alten Zeiten in der echten Bäckerei. Der Geruch nach frisch gebackenen Brot, die leckeren Kuchen warten förmlich darauf endlich gegessen zu werden. Der Bäckermeister kommt mit mehlbeschmierten Gesicht aus der Backstube, um den köstlichen und noch warmen Nachschub zu liefern. Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei und das was wir heute als Brot bezeichnen, ist nicht einmal ansatzweise so lecker wie frisches Gebäck aus Meisterhand.

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